Regentropfen in meinem Kopf

Liebe Leser, schon wieder komme ich mit einem ernsten Thema, wo ich mir doch vorgenommen habe, über schönere Themen zu schreiben, aber gerade dann, wenn die Wolke wieder dunkler ist und sich eine Änderung nicht abzeichnet, fällt mir nichts Schönes ein, über was es sich zu schreiben lohnt. Verzeiht mir.

Ein Thema, welches mich täglich beschäftigt ist meine Schulzeit, noch immer frage ich mich, ob ich selber Schuld war, an dem was war. Ich wuchs in einem kleinen Dorf in Sachsen auf, 300 – 400 Einwohner und natürlich kannte sich jeder. Somit kannten alle meine Eltern, welche nicht gerade beliebt waren. Ab der Grundschule war ich eher der Einzelgänger. Eine Freundin hatte ich seit dem Kindergarten, soweit ich mich erinnere, war sie immer bei allen sehr beliebt und angesagt. Warum genau das so war, kann ich mir bis heute nicht erklären, sie war kein schlechter Mensch oder sowas, aber ich verstehe nicht, warum ich immer im Abseits stand und sie nicht. Naja. Ich nenne sie hier Dorothea.

Doro und ich, wir kannten uns seit dem Kindergarten, wir spielten viel zusammen, ich idealisierte sie und war abhängig, da sie meine einzige Bezugsperson war. Daher war ich immer sehr eifersüchtig und betrübt, wenn sie lieber mit jemandem anderen was machte, als mit mir. Im Dorf gab es mehrere Cliquen, die Großen und die Kleinen, ich wäre in der Clique der Kleinen gewesen, wäre ich cool genug gewesen. Doro war da natürlich. Die Großen waren meist die älteren Geschwister der Kleinen. Manchmal durfte ich mit zu den Kleinen, da Doro mich einfach mitnahm, aber die Reaktion der anderen war immer eindeutig. Und irgendwann lässt man es einfach und bleibt zuhause. Aber: Doro redete weiter mit mir – erstmal. Sie war alles für mich.

Mobbing fängt ja schon damit an, wenn man jemanden ignoriert und ausschließt. Das war der Anfang. Keiner lud mich ein oder nahm mich mit. Ich war außen vor und meist Gesprächsthema – im negativen Sinne. Ein großes Lästerthema war leider meine extreme Inkontinenz, mein Schließmuskel funktionierte einfach nicht und demnach trat bei jeder größeren Bewegung, beim Sportunterricht oder beim Lachen Urin aus, so dass es natürlich hieß: die pisst sich ein. Da Kinder grausam sind, stürzten sie sich darauf. Es hinterfragt natürlich keiner, warum das so ist. Bis zum letzten Tag der 10. Klasse musste ich mir das täglich anhören. Zweimal wurde ich mit Pampas und Binden beworfen.

Das Doofe ist ja, dass man sich selber auch zum Opfer macht, wenn man nicht stark genug ist. Demnach fiel ich in die perfekte Opferrolle. Ich heulte immer sofort, wenn man einer fertig machte vor versammelter Mannschaft, wenn man meine Sachen klaute beim Sportunterricht oder wenn man mir „Pissie“ hinterherrief. Ab der 7. Klasse war Doro auch nicht mehr an meiner Seite. Sie sah bei solchen Aktionen von der Seite zu.

Die schlimmste Aktion war folgende, ich glaube da war ich so 11 oder so:

Es klingelte bei uns und 2 Mädels aus der Clique standen vor meiner Tür, darunter Doro. Ich war naiv und freute mich und ging mit ihnen raus. Wir spazierten in Richtung Wald. Dann saßen wir da auf einer Bank, Doro wollte kurz weg und ich saß da mit „Mandy“ alleine. Sie fing an über Doro zu lästern und bastelte das so, dass ich mitlästern sollte, was ich aber nicht tat. Dann ging alles ganz schnell und ich war umringt von der Clique, gemischt aus groß und klein. Ich wurde angeschrien, bespuckt, getreten. In diesem Moment wollte ich einfach nur sterben. Ich hielt das nicht mehr aus. Gekrönt wurde das, indem mir ein angezündeter „Polenböller“ in meine Kaputze geworfen wurde, den ich kurz vorher noch aus selbiger entfernen konnte. Dann rannte ich heulend nach Hause. Dort angekommen klingelte es später, die Clique stand vor meiner Tür und wollte mit meinen Eltern sprechen. Mein Vater setzte sich mit den Leuten hin, hörte sich an was sie über mich sagten (ich würde klauen, lügen usw.). Er machte sich Notizen und schrieb sich alles auf. Ich saß in meinem Zimmer und hatte Herzklopfen und erbrach mich vor Angst. Irgendwann gingen sie, mein Vater sagte nichts dazu. Danach war ich ne Woche krank, weil mein Magen so weh tat. Das Ganze wurde erst minimal besser, als ich die 9. Klasse nochmal wiederholen musste (Mathe: 6). Meine Noten gingen natürlich rapide runter und ich saß in der Schule nur noch mit der Angst im Nacken, was wohl als nächstes passiert.

Nichtsdestotrotz (schreibt man das echt zusammen??) gab es keinen Tag, wo keine dummen Sprüche kamen, meine Sachen verschwanden oder ich bloß gestellt wurde. Tage, in denen ich mal ignoriert wurde waren selten, aber sie waren wie Urlaub. Damals hatte ich meine Hündin, Maxi, sie liebte ich über alles. Mit ihr war kurz immer alles gut.

Ein Schulwechsel wäre im übrigen sinnlos gewesen, da es alles kleine Dörfer waren und ich überall bekannt war. Da hätte ich nur von Anfang an diese Hölle wieder durchgehen müssen. Sicher, ich hätte es probieren können, aber meine Eltern haben auch nichts dafür getan und ich fragte nicht danach. 3 mal hab ich versucht dem Allen zu entfliehen, ohne Erfolg, ich habe es immer falsch gemacht – aus Unwissenheit.

 

Warum ich das so schreibe? Bitte achtet darauf, wie ihr mit anderen Menschen umgeht. Ihr sollt anderen nicht in den Arsch kriechen, wenn ihr sie nicht mögt, aber bitte macht sie nicht fertig oder ähnlich. Achtet auf Eure Kinder. Ich weiß, es ist nicht immer leicht zu helfen, aber manchmal hilft es schon achtsam zu sein.

 

Bitte.

 

FullSizeRender

 

3 Comments

  1. Der Mensch ist und bleibt das grausamste Tier.

    Das ‚Mag ich‘ gibt es für deinen Mut, so etwas in Schriftform aufzuarbeiten.

    Ich bin bei sowas ja übrigens total intolerant … und ein ebenso grausames Tier: Allen aus der Jugendzeit auflauern, es allen Heller für Pfennig heimzahlen – auf die eine oder andere Art.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.