Ein Beitrag von PinnieWooh

Liebe Leser,

heute möchte ich gerne über ein für mich schweres Thema sprechen: Depressionen.
Einige die mich kennen, wissen, dass ich daran erkrankt bin. Mir fällt es einerseits schwer, dass hier zu schreiben, andererseits möchte ich es unbedingt tun.
Ich selber kann noch nicht wirklich fassen, was genau das ist und wie es abläuft. Aber eins steht fest, es ist da und ich habe ihm einen Namen gegeben. Frei nach Prinz Pi nenn ich es „meine schwarze Wolke“.

Damals, unwissend meiner selbst, hörte ich dieses Lied, immer und immer wieder und merkte, dass es perfekt zu mir passt.
Ich möchte das ganze erst allgemein halten. Möchte darauf eingehen, was in der Allgemeinheit eine Depression ist und was Menschen teilweise darüber – unwissend wie die meisten sind – denken.

Wikipedia sagt:
Die Depression ist eine psychische Störung mit Zuständen psychischer Niedergeschlagenheit als Leitsymptom. Das Wort stammt von lateinisch deprimere (niederdrücken). In der Psychiatrie wird die Depression den affektiven Störungen zugeordnet. Im gegenwärtig verwendeten Klassifikationssystem psychischer und anderer Erkrankungen (ICD 10) bezeichnet man die häufigsten Formen der Depression als depressive Episode oder rezidivierende (wiederkehrende) depressive Störung. Die Diagnose wird nach Symptomen und Verlauf gestellt.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Depression

Soweit so gut, kann ich mit leben.

In der Allgemeinheit ist man meist „nur traurig“. Wie oft muss ich mir anhören, dass ich mich mal zusammen reißen soll oder mal Yoga machen soll. Nen Scheiß mach ich. Wenn es so einfach wäre, wär ich glücklich. Eine Depression ist nicht nur eine „Traurigkeit“. Eine Depression ist eine anerkannte Krankheit, welche man verdammt nochmal Ernst nehmen muss. Im schlimmsten Fall führt die Depression zum Tot und danach kommt das große „ach“.

Meine schwarze Wolke

Man sagt, ich solle lernen, mich mit ihr anzufreunden und mit ihr auszukommen. Davon bin ich leider weit entfernt. Ich hab meine schwarze Wolke schon sehr lange, allerdings nehme ich sie erst seit 1-2 Jahren wirklich aktiv wahr.
Manchmal schwebt sie direkt über mir, kurz davor mir ein Gewitter zu schenken, manchmal bewegt sie sich 1-2 Meter hinter mir und lässt mich in Ruhe. Mal 2 Wochen, mal fast einen Monat, manchmal nur 1 Minute.
In seltenen Fällen ist es eine süße Schäfchenwolke, welche Sonnenstrahlen durchlässt und mir manchmal Schatten schenkt.
In den häufigsten Fällen ist sie direkt hinter mir und wartet auf den passenden Moment, um sich über mir zu ergießen. Warum macht die Wolke das? Manchmal reicht ein falsches Wort, ein dummer Blick, eine Geste, die mich verunsichert. Ich selber schaffe mir meist meine kleine eigene Hölle, durch welche ich dann gehe. Ich nehme dann jede Lavapfütze mit, laufe barfuß über jeden heißen Stein. Es ist eine Schwere, die mich erdrückt und lähmt. Ich bin dann nicht im Stande klar und logisch zu denken, ich ertrinke in einem Fluß aus heißer Lava und bemitleide mich selber, dass ich so bin wie ich bin und nicht besser sein kann, dass ich nichts ändern kann an dem, was gerade ist und das ich jeden Tag Menschen mit meinem Rumgeheule nerve. Im schlimmsten Fall führt das zur Selbstverletzung, um mich selber zu bestrafen, um diese Leere mit Schmerz zu füllen und um mich wieder zu spüren. Ich hab das nun seit einer Weile nicht getan, weil ich es jemandem versprochen habe, der mir sehr wichtig ist.
An solchen Tagen ist es schon ein Akt, aus dem Bett zu steigen, zu duschen und sich für die Arbeit fertig zu machen. Es gab Tage, da saß ich ewig nur rum und glotzte in die Luft, bemerkte nicht mal, wie die Zeit rannte, offenbar weinte ich nebenbei, manchmal waren meine Schenkel voller Blut, unwissend, wann und wie das passiert ist.
An solchen Tagen ist es schwer klare Gedanken zu fassen, Konzentration ist gleich 0 und man muss sich beherrschen nicht zu weinen. Traurige Lieder gehen gar nicht, dann ist der Sturzbach vorprogrammiert. Man kann nichts tun, was anspruchsvoll ist, einfach, weil das wirklich schon zu viel ist. Das schafft man mental einfach nicht. Der Kopf zerplatzt bei den einfachsten banalen Fragen, wie zB welchen Tee man lieber trinken will. Es mag bescheuert klingen, aber es ist nunmal so. Niemand, der das je durchgemacht hat, kann das verstehen. Alle belächeln das.

Und wieso ist das so? Wieso hat man Depressionen?
Tja, das ist unterschiedlich, mir wurde eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Daraus folgen dann so Sachen wie Depressionen, Borderline whatever. Aber, das ist bei jedem anders. Außerdem gibt es nicht DEN Depressiven oder DEN Borderliner. Jeder ist auf seine Art und Weise anders. Und eigentlich halte ich nicht viel von solchen Diagnosen, weil in jedem etwas von einem Borderliner oder Depressiven steckt. In dem Einen mehr, in dem Anderen weniger.
Und wie geht man mit so jemandem um?
Depressive Menschen igeln sich meist ein, wenn sie wieder eine schlimme Phase haben. Es ist unterschiedlich, wie diese Menschen auf Hilfe reagieren. Das kann man leider nur rausfinden. Aber grundsätzlich sollte man so jemanden nie alleine lassen und ihm immer zeigen, dass man für ihn da ist. Denn wahrliche Einsamkeit ist das Schlimmste, was es dann gibt. In jedem Fall braucht man dann auch richtige Hilfe, Gespräche mit Therapeuten, evtl. Medikamente oder auch mal einen längeren Aufenthalt in einer Klinik.

Depressionen können angeblich geheilt werden, ich bin schon froh, wenn für mich die Sonne öfter scheint und das ich die Kurve noch bekomme. Im Moment tu ich alles dafür und ich hoffe so sehr, dass es fruchtet.

Falls jemand Fragen hat, Tipps, Anregungen, whatever, schreibt mir bitte

GLG die Pinnie

5 Comments

  1. Ich finde es mutig und stark dich dem so offen und ehrlich zu stellen – das ist eine Stärke!….Und es ist eine Stärke es nieder zu schreiben – das finde ich toll! Danke dafür und alles Liebe für Dich, M.

  2. Sven

    Du beschreibst lebensnah, was ich oft genug mitmachen muss. Natürlich gibt es, wie du selbst sagst, auch da unterschiede (ich verletze mich nicht und bin nicht nah am Wasser gebaut), aber die Gefühle und Umstände sind absolut die Gleichen. Ich habe mir angewöhnt, immer den gleichen Ablauf zu schaffen, damit ich nicht an banalen Fragen verzweifle. Das funktioniert natürlich auch nur bedingt, weil ich nun mal nicht allein auf der Welt bin und es immer unvorhersehbares gibt.
    Seit einiger Zeit nehme ich Tabletten (Mirtazapin). Das sind zwar keine Happy-Day-Pillen, aber zumindest komme ich leichter aus dem Bett und viele Fragen bleiben banal. Ich hoffe du findest einen für dich gangbaren Weg. Mit professioneller Hilfe und eigenem Willen kriecht man schneckengleich gen Normalität. Ein langer Weg, aber er lohnt sich.

    LG

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